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Fortsetzung Abschiedsbrief von Pfarrer Loesch

Wo es in den vielen Jahren dabei gelungen ist, Menschen zu begleiten, mit ihnen seelsorgerlich, vielleicht auch nur für ein Stück, unterwegs zu sein und wo ich ihnen ein wenig eine Hilfe sein durfte, ist mir das ein Grund zur Freude und Dankbarkeit. Wo dagegen etwas zwischen uns offen geblieben ist, bitte ich um freundliche Nachsicht. Wo ich Menschen etwas schuldig geblieben bin, wo ich etwas vergessen, überhört oder nicht gesehen habe, was wichtig war und anderen Menschen, also Ihnen und Euch, gegenüber nicht achtsam genug gewesen bin, so bitte ich herzlich um Vergebung. Aber das sollen Sie wissen: Pfarrer war ich immer mit Leib und Seele und ich habe mit Freuden meine Gaben ins Leben unserer Gemeinde eingebracht. Ich habe bei allen Fehlern und Schwächen, die überall dort sind, wo es „menschelt“, für diesen Dienst in der Gemeinde und für die Menschen „gebrannt“ und tue es noch immer. Ja, ich war gerne Ihr und Euer Pfarrer.

Seit dem Jahr 2007 hatte ich – wenngleich ich zu meiner Freude meinen Dienst doch in der Regel, trotz einer langen Pause 2013, in Folge einer auf einer Dienstreise zugezogenen lebensbedrohlichen Erkrankung,  vollumfänglich ausfüllen konnte - immer wieder mit diversen Krankheiten zu kämpfen und so wollte ich aus gesundheitlichen Gründen eigentlich schon im Jahre 2016 auf dringendes ärztliches Anraten hin aufhören. Aber Unklarheiten in der Wohnungsfrage ließen mich jetzt doch bis zum 65. Lebensjahr plus weiterarbeiten. Ich bin froh, dass ich das konnte und habe das letzte Jahr meinen geliebten Beruf umso intensiver erlebt und genossen. Ich wollte jetzt sogar noch weiter arbeiten, weil ich mich wieder stabil genug dafür erlebe, aber unsere Kirche zieht nun den Schlussstrich, denn es gibt laut Bescheid durch Pröpstin und Dekan auf meinen Verlängerungsantrag hin generell keine Erlaubnis länger im Pfarrdienst zu sein, wenn die Altersgrenze erreicht ist. Nun beuge ich mich der Weisheit der Urmutter Erda, die in Richard Wagners grandiosem Musikdrama „Das Rheingold“ singt: „Alles was ist, endet.“

Ich werde zum Ende des Jahres also offiziell in den Ruhestand verabschiedet, Jahresurlaub und Resturlaube, die wie schon vor längerer Zeit verabredet, ans Ende der Dienstzeit gelegt wurden, lassen mich jetzt schon, wie Sie möglicherweise bereits bemerkt haben, allmählich aus dem Pfarrdienst „entschwinden“. Was die Frage der Nachfolge im Pfarramt und der damit verbundenen Stellenausschreibung betrifft, will sich der Kirchenvorstand bewusst „Zeit lassen“. Vorerst wird der Pfarrdienst durch Vertretungen geregelt.

Gerne würden meine Frau, deren unbedingte Solidarität mich immer wieder im Dienst sowohl stabilisierte als auch ermutigte, und ich aber in Neu-Isenburg wohnen bleiben, sind wir doch längst in der Bürgerinnen- und Bürgergemeinde hier heimisch geworden. Wir werden wohl in das derzeit noch an die Stadt Neu-Isenburg vermietete Pfarrhaus der inzwischen aufgelösten Pfarrstelle II An den Schulwiesen ziehen, da wir das Pfarrhaus, Pfarrgasse 22, das immer schon zur Freude der Vorbeigehenden beim Blick in den Hof eine „blühende Visitenkarte“ für unsere Gemeinde sein sollte, räumen müssen. Bis zum Umzug ist es uns aber gestattet, dort noch wohnen zu bleiben.
„Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding“, das gilt auch für so manchen Rückblick auf den Dienst als Pfarrer der Gemeinde, einem Rückblick, der in meinem Fall ja die ganze Zeitspanne der fast 38 Dienstjahre am Marktplatz zu betrachten hat, was freilich nur ein Teil von Ihnen noch nachvollziehen kann. Es bleibt dabei, festzuhalten: Natürlich liegt einem das Eine mehr als das Andere, kann man Jenes einfach besser als Dieses. Und natürlich ist man selbst in Teilen heute ein anderer als vor 38 Jahren und hat dazugelernt. In fast vier Jahrzehnten haben sich zudem immer wieder mal Arbeitsweisen verändert und Arbeitsfelder verschoben, wurden Schwerpunkte anders gesetzt, kamen neue Anforderungen dazu und so manches, das lange Zeit im Mittelpunkt der Arbeit stand, trat später wieder mehr in den Hintergrund, freilich damit Neues umso intensiver gepflegt und betrieben werden konnte. Ob solche Veränderungen immer richtig und gut waren, beschäftigt mich im Rückblick sehr, aber das gehört wohl zur Bilanzierung am Ende eines jeden Berufslebens dazu. Ebenso wie das, was uns der Prediger Salomo im Ersten Testament der Bibel ins Herz schreibt: „Ein jegliches hat seine Zeit und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde… Pflanzen hat seine Zeit, Ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit… Abbrechen hat seine Zeit, Bauen hat seine Zeit… Behalten hat seine Zeit, Wegwerfen hat seine Zeit…“ (Prediger Salomo 3, 1 ff.)

Ihr Lieben alle, ob wir uns nun in all den Jahren persönlich kennenlernen durften, oder nicht: Ich wünsche jeder und jedem einzelnen von Euch Gottes reichen Segen und sein gnädiges Geleit, Wohlergehen und Glück und unserer Gemeinde, dass sie auch in Zukunft „wachs‘, blüh‘ und gedeih‘“ und dabei ihr spezielles hugenottisches Erbe als reformierte Gemeinde lebendig bewahrt.
Eine Frage des Unterrichts- und Bekenntnisbuches unserer nach Gottes Wort evangelisch-reformierten Gemeinde, des Heidelberger Katechismus, lag mir immer besonders am Herzen und meine lieben Konfirmandinnen und Konfirmanden mussten sie darum auch, ob sie wollten oder nicht, lernen. Mit ihr grüße ich Euch alle in herzlicher und bleibender Verbundenheit.

„Was nutzt uns die Erkenntnis von Gottes Schöpfung und Vorsehung?

Wir sollen zu unserem treuen Gott und Vater sein;
in allem Unglück geduldig, denn nichts wird uns von seiner Liebe scheiden,
im Glück dankbar weil alle Geschöpfe so in seiner Hand sind,
und im Blick auf die Zukunft dass sie sich ohne seinen Willen
voller Vertrauen weder regen noch bewegen können.“

(Heidelberger Katechismus, Frage 28 in der Fassung für den Jugend- und Konfirmationsunterricht)

Gott befohlen!
Ihr/Euer

Matthias Loesch, Pfr.                            Neu-Isenburg im November 2017

Anfragen, wenn möglich, bitte erst über das Gemeindebüro

 

Pfarrer Matthias Loesch

Pfarrgasse 22

63263 Neu-Isenburg

 

Telefon: 06102/38346

Fax:       06102/33082

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